Wie KI die Due Diligence im M&A-Bereich transformiert

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Wie KI die Due Diligence im M&A-Bereich transformiert

Durch Jens Hohnwald, Director of Business Development, EMEA
April 30, 2026
4 Min. Lesezeit

Beschleunigt KI lediglich den Transaktionsprozess oder verändert sie grundlegend die Art und Weise, wie Deals durchgeführt werden?

Dies war eine der zentralen Fragen, die ich kürzlich in einem DealCircle-Webinar gemeinsam mit Philipp Krispin (Nordic Capital), Frederick Krüger (Deloitte) und unserem Gastgeber Kai Hesselmann diskutiert habe.

Anstelle einer futuristischen Vision von vollständig automatisierten Transaktionen kristallisierte sich eine differenzierte Realität heraus: KI ist bereits tief im M&A-Sektor verwurzelt, insbesondere in der Due Diligence. Dabei liegt ihr Einfluss weniger in der reinen Geschwindigkeit als vielmehr in der transformativen Veränderung der gesamten Arbeitsprozesse.

Hier sind meine wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion:

Due Diligence wird grundlegend neu definiert

Die Due Diligence war traditionell eine der arbeitsintensivsten Phasen jeder Transaktion. Große Teams, die manuell tausende von Dokumenten sichten, Daten extrahieren und Bieterfragen beantworten, waren der Standard.

„Im Prinzip sehen wir massive Effizienzgewinne“, erklärte Frederick. „Aufgaben, die früher enorme manuelle Kapazitäten banden, können heute hochgradig automatisiert und standardisiert werden. Das sind die entscheidenden ersten Schritte in vielen Analyseprozessen.“ Er gab jedoch zu bedenken, inwieweit KI bereits fest etabliert ist oder ob sie aktuell primär noch zur Beschleunigung grundlegender Routineaufgaben eingesetzt wird.

Klar ist: Die Due Diligence wird nicht einfacher. Der aktuelle  Ideals M&A Outlook 2026 zeigt, dass die durchschnittlichen Transaktionslaufzeiten trotz technologischer Fortschritte auf 264 Tage gestiegen sind – ein Zuwachs von fast 30 % seit 2020. Der Grund dafür ist eindeutig: Effizienzgewinne werden durch tiefere Analysen sowie eine genauere Prüfung durch Stakeholder und Regulierungsbehörden kompensiert.

KI reduziert daher noch nicht die Gesamtarbeitslast, aber sie hilft dabei, die Qualitätsstandards massiv zu erhöhen.

Der Datenraum wird zum Intelligence-Hub

Einer der wichtigsten Umbrüche ist der Trend zur direkten Einbettung von KI in virtuelle Datenräume. Nach unserer Erfahrung bei Ideals sehen wir ein stetiges Wachstum bei der Nutzung integrierter KI-Funktionen.

Wie ich während der Sitzung betonte, liegt der Fokus heute auf praktischen Anwendungen, die nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integriert sind, statt auf experimentellen Tools. Zweckoptimierte KI-Lösungen straffen jede Phase des Deals und bieten einen echten Mehrwert für Dealmaker.

Die relevantesten Anwendungsfälle sind bereits etabliert und reichen von der automatisierten Schwärzung sensibler Daten und Echtzeit-Übersetzungen bei grenzüberschreitenden Deals bis hin zu KI-gestützten Q&A-Workflows sowie intelligenter Suche und Dokumentenzusammenfassung.

Anstatt Deal-Teams zu ersetzen, ermöglichen diese Tools den Experten, ihren Fokus von der manuellen Datenverarbeitung auf die Interpretation und fundierte Entscheidungsfindung zu verlagern.

Sicherheit als Enabler, nicht als Bremse

Datensicherheit bleibt das kritischste Anliegen im M&A-Geschäft. Deal-Teams wissen, wie wichtig geschlossene Hochsicherheitsumgebungen für den Informationsaustausch sind. Innerhalb des Datenraums arbeitet die KI nach strengen Governance-Prinzipien: Sie greift nur auf Dokumente zu, für die der jeweilige Nutzer eine Berechtigung hat, stützt sich nicht auf externe Datenquellen und speichert Informationen nicht für ein Training außerhalb der geschlossenen Umgebung.

Dies ist entscheidend, da es Teams ermöglicht, von KI zu profitieren, ohne die Vertraulichkeit zu gefährden. Wie wir im Webinar besprochen haben, würden viele Teams andernfalls auf externe Tools wie ChatGPT ausweichen. Die Einbettung von KI direkt in den VDR ermöglicht eine sichere Nutzung im Einklang mit strikten Compliance-Anforderungen.

Menschliche Expertise im Kern KI-gestützter Transaktionen

Trotz des rasanten technologischen Fortschritts beruht M&A weiterhin auf menschlichem Urteilsvermögen und Erfahrung. KI kann Risiken identifizieren, Verträge zusammenfassen und Antworten vorschlagen, aber sie kann noch keine strategischen Abwägungen treffen.

Letztendlich tragen die Dealmaker die Verantwortung. Das Leitprinzip für alle KI-Anwendungen ist: Die Kontrolle und Verantwortung liegen beim Menschen. Unsere Aufgabe ist es, den Einsatz von KI so sicher und transparent wie möglich zu gestalten.

Gleichzeitig verändert KI die Rollenprofile. Aufgaben, die früher typische Junior-Positionen definierten, werden zunehmend automatisiert. Das erhöht die Anforderungen an die Fähigkeiten innerhalb der Teams. Laut Ideals-Forschung berichtet zwar eine Mehrheit der Dealmaker von gesteigerter Effizienz, doch mehr als die Hälfte sieht im Mangel an menschlicher Nuancierung und Intuition nach wie vor die größte Limitierung der KI.

Die Implikation ist klar: Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht mehr im bloßen Zugang zu Daten, sondern in der Fähigkeit, diese effektiver zu interpretieren und in fundierte Entscheidungen zu übersetzen.

Ein neuer Standard für das Dealmaking

Der Einfluss von KI geht weit über reine Geschwindigkeit hinaus. Sie verbessert Effizienz, Struktur und Skalierbarkeit, während sie gleichzeitig tiefere Analysen und eine frühere Risikoerkennung ermöglicht. Viele Dealmaker befinden sich jedoch noch in der frühen Testphase, um herauszufinden, wo die Technologie den größten Hebel ansetzt.

Bemerkenswerterweise wird eine regionale Kluft bei der KI-Adoption immer deutlicher. Unsere jüngste Forschung zeigt, dass US-Deal-Teams KI schnell in ihre Arbeitsabläufe integrieren, während europäische Akteure vorsichtiger bleiben, oft eingeschränkt durch regulatorische Erwägungen und Datenschutzbedenken.

Diese Divergenz beginnt bereits, die Wettbewerbsfähigkeit und letztlich den Zugang zu attraktiven Opportunitäten neu zu gestalten.

Wie Philipp während der Diskussion anmerkte: „KI ist nichts für die Zukunft; sie ist heute bereits da. Wer sie jetzt nicht nutzt, wird sehr schnell den Anschluss verlieren.“

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